Weinhandel und Weinbau bei meinen Vorfahren
Dank der Nachforschungen meines Vaters ließ sich feststellen, dass gleich zwei meiner Ururgroßväter sich intensiv mit Weinhandel und auch ein bisschen mit Weinbau beschäftigt hatten. Zentraler Ort dieser Geschichte war die Gemeinde Budenheim am Rhein (bei Mainz). Dort hatte Josef Schmitt (1868-1925) im Jahre 1897 eine Firma ins Leben gerufen, die sich vornehmlich dem Weingroßhandel verschrieben hatte und nur nebenher ein wenig Weinbau betrieb. Das auch auf den Etiketten verwendete Familienwappen setzte sich aus dem Abbild des Budenheimer Ortspatrons St. Pankratius und den Initialen des Firmengründers JS zusammen.
Die Weingroßhandlung ging schließlich von Josef Schmitt auf dessen Sohn Josef P. Schmitt (1897-1976) und schließlich den Enkel Herbert Schmitt über. In Budenheim, an sich eine bekannte Obst(an)baugemeinde, betrieben noch weitere Familien Weinbau nebenbei (die Süssmosterei Peter Schöffel, Ignaz Unkelhäuser, Fam. Dippenaz). Der Budenheimer Weinberg befand sich auf dem Gebiet der heutigen Firma Birkholz, unweit der Mainzer Landstraße. Er wurde 1956 gerodet: "...da nach einem sehr kalten Winter fast alle Stöcke erfroren waren und eine Neuanlage sich nicht mehr lohnte." (H. Schmitt) Mit der fortschreitenden Industrialisierung und auch der Wohnbebauung ging zuerst der Wein-, und der Obstbau zurück. Die Weingroßhandlung Schmitt existierte noch bis 1970.
Der andere Großvater meines Opas Felix Schmitt war der in Mainz-Weisenau ansässige Großhändler Franz Staab (1857-1926). Der handelte u. a. ebenfalls mit Weinen und Säften. Er zog ca. 1897 nach Budenheim und führte den Weinhandel noch bis in die frühen 1920er Jahre fort.
Mein Großvater Felix Schmitt absolvierte eine kaufmännische Ausbildung in den Kriegsjahren 1941-44, und zwar in der Mainzer Weingroßhandlung Wilhelm Panizza. Wer weiß, welchen beruflichen Weg er hätte einschlagen können, wäre er nicht schwerkriegsverletzt worden (einen Getränkegroßhandel hatte er zeitweise im Rhein-Neckar-Kreis - in Ilvesheim und Hockenheim - geführt).
Ein Onkel meines Vaters (1942-2004), Enkel des bereits erwähnten Franz Staab und Träger dessen Namens, wurde ein renommierter Professor der deutschen Frühgeschichte und beschäftigte sich nebenbei auch mit (experimenteller) Weingeschichte. Näheres hierzu in der 2006 zu seinem Gedenken veröffentlichen Schrift der "Heimatfreunde am Mittelrhein e. V." mit einem Beitrag von Heinz R. Eschnauer: Experimentelle Geschichtsforschung über den Wein. S. 31-34 u. 56.
Mein Vater Roland Schmitt kam mit dem Rebanbau erst im Saarbrücker Stadtteil Eschringen in Berührung. Das dort von ihm und meiner Mutter Christa (geb. Döbbe) erworbene "Bachmanns Haus" zierte zum Garten hin auch ein alter, sehr ertragreicher Weinstock, der wohl Mitte der 1960er Jahre gepflanzt worden war. Vermutlich handelt es sich um eine aus Sizilien eingeführte rote Rebe, die bislang nicht bestimmt werden konnte. Als kleiner Junge half ich meinem Vater immer beim Lesen und Keltern.
Seitdem klar war, dass ich den Beruf des Winzers anstreben werde, steckte ich offenbar auch meinen Vater an. Er beschäftigt sich nunmehr recht intensiv mit der Geschichte des Weinbaus in der Saarregion (und darüber hinaus).